Christoph Friedrich Nicolai

Christoph Friedrich Nicolai (1733–1811) war als Buchhändler, Verleger und Schriftsteller eine der prägendsten Gestalten der Aufklärungszeit. Mit dem von seinem Vater übernommenen Verlagsunternehmen gelang es ihm, eine führende Stellung auf dem deutschen Buchmarkt zu erobern. Das Kernstück von Nicolais Verlagsprogramm bildeten Rezensionszeitschriften, aufgrund derer ihm jahrzehntelang die Meinungshoheit in der gelehrten Welt zugesprochen wurde: zunächst die zusammen mit den Freunden Gotthold Ephraim Lessing und Moses Mendelssohn herausgegebenen Briefe, die neueste Litteratur betreffend, ab 1765 dann die im Alleingang besorgte Allgemeine deutsche Bibliothek, in der sämtliche Neuerscheinungen auf dem deutschen Buchmarkt besprochen werden sollten. Als ähnlich wirkmächtig erwiesen sich manche seiner eigenen Bücher, denn der fleißigste und erfolgreichste Autor seines Verlages war Nicolai selbst. Mit einer Parodie auf Die Leiden des jungen Werthers zog er sich den Zorn Goethes zu, der zeitlebens über das »Berliner Hundezeug« wetterte. Derart groß war sein Einfluss, dass noch Heinrich Heine vom »Berlin, wo Friedrich der Große und der Buchhändler Nicolai regierten«, schrieb.

Das Haus in der Brüderstraße 13 erwarb Nicolai 1787 und ließ es von Carl Friedrich Zelter für seine Zwecke umbauen: Im Parterre zog die Buchhandlung ein. Im ersten Stock des Vorderhauses und im Seitenflügel lagen die Arbeits- und Wohnräume; sie boten viel Platz für die Familie, die Nicolai 1760 mit Elisabeth Macaria Schaarschmidt, der Tochter eines Königlichen Leibarztes, gegründet hatte. Trotz des kleinteiligen Umbaus blieben drei Säle bestehen: In einem wurde Nicolais umfangreiche Bibliothek untergebracht; die beiden anderen standen für Musikaufführungen und Gesellschaften zur Verfügung. Im zweiten Stock schließlich wurden die Gästezimmer eingerichtet. Die exponierte Lage in unmittelbarer Nähe des Schlosses beförderte Nicolais Bestreben, sein Haus zu einem gesellschaftlichen Mittelpunkt Berlins zu machen. Dass auch die Begegnungen mit Mendelssohn und Lessing in der Brüderstraße 13 stattgefunden haben, ist zwar ein Irrtum, denn als Nicolai das Haus erwarb, waren seine beiden engsten Freunde bereits verstorben. Gleichwohl verkehrten hier in der Folge nicht nur Literaten, sondern auch Musiker und bildende Künstler, Geistliche und hohe Beamte. Auch viele Reisende ließen es sich nicht nehmen, dem »gelehrten Buchhändler« ihre Aufwartung zu machen.